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Geotope und ihre Schutzwürdigkeit

Altgriech., hä gä=Erde; ho topos=der Ort;
daher: der Geotop, Bio-top=Lebensraum

Geotope in Brandenburg - von Rainer Schulz

1. Einführung
Der Geotopschutz hat in den vergangenen Jahren ein verstärktes Interesse in der geologischen Fachwelt und in der Öffentlichkeit gefunden. Geologisch bedeutungsvolle Einzelschöpfungen der Natur, aber auch größere Gebiete mit besonderer erdgeschichtlicher Bedeutung sind bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland durch private oder behördliche Initiativen als Natur- oder Bodendenkmäler unter Schutz gestellt worden. Allerdings wurden alle diese Maßnahmen ohne eine grundlegende und systematische geowissenschaftliche Erfassung und Bewertung vorgenommen. Um eine ausgewogene Unterschutzstellung von geologischen Naturdenkmalen/Geotopen nach bundesweit einheitlichen Kriterien zu ermöglichen, hat die Arbeitsgruppe Geotopschutz der Geologischen Landesämter der Bundesrepublik Deutschland 1996 eine „Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutschland – Leitfaden der Geologischen Dienste der Länder der Bundesrepublik Deutschland“ veröffentlicht (Ad- hoc Arbeitsgruppe, 1996). Zur Vielfalt, Eigenart und Schönheit der unterschiedlichen Landschaftsräume gehören untrennbar die geologischen Naturdenkmale/Geotope. Beim Geotop handelt es sich - in Analogie zum Biotop - um einen Ort, an dem jedoch nicht die gegenwärtig belebte Natur, sondern Entwicklung, Aufbau und Eigenschaften der Erde besondere Bedeutung haben. Soll das Geotop erhalten werden, bedarf es seines Schutzes.

2. Definitionen und Erläuterungen
Von der Ad – hoc Arbeitsgruppe (1996) wurden folgende Begriffe definiert:

  • Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Kenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln. Sie umfassen einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsbestandteile sowie Aufschlüsse von Gesteinen, Boden, Mineralien und Fossilien.

 

  • Schutzwürdig sind diejenigen Geotope, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart, Form oder Schönheit auszeichnen. Für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie Natur und Heimatkunde sind sie Dokumente von besonderem Wert.
  • Geotopschutz ist der Bereich des Naturschutzes, der sich mit der Erhaltung und Pflege schutzwürdiger Geotope befasst. Die fachbehördlichen Aufgaben werden von den geologischen Diensten der Länder wahrgenommen.


Beispiele für Geotope sind:

  • Geotoplandschaften – präsentieren geologische und geomorphologische Sehenswürdigkeiten (Choriner und Joachimsthaler Landschaft, unser Kerngebiet)
  • glaziale und periglaziale Bildungen (Drumlins, Oser, Rinnen, Sölle und Dünen)
  • Findlinge (85 kartierte in der Uckermark und 35 kartierte im Barnim)
  • fluviatile Bildungen (z.B. Nonnenfließ)
  • äolische Bildungen = Binnendünen (z.B. Parabeldünen in der Schorfheide)
  • hydrologische Besonderheiten (z.B. Salzquellen in der Uckermark)
  • Moore (Nieder,- Quell- und Kesselmmoor)
  • geologische Aufschlüsse (Endmoränenaufschluss Sperlingsherberge, Ruppeltongruben bei Falkenberg, Bänderton bei Macherslust, Kiesgruben in den Sandern Groß-Ziethen und Milmersdorf)

 

Im Unterschied zu vielen Biotopen sind einmal zerstörte Geotope nicht regenerierbar und unwiederbringlich verloren. Oft sind vorhandene Geotope gleichzeitig wertvolle Biotope bzw. überhaupt erst deren Voraussetzung, ohne das dieser Zusammenhang erkannt oder gewürdigt wird (z.B. Dünen, Sölle, subglaziale Rinnen, Grundwasseraustritte).

Die Auswahl schutzwürdiger geologischer Objekte in dem durch geologische Bildungen und Vorgänge des Quartärs geprägten Territorium des Landes Brandenburg unterliegt besonderen Bedingungen. Da die Mehrzahl der geologischen Aufschlüsse Lockergesteine enthält, deren Erhaltung nur mit hohem Aufwand möglich ist, kommt vor allem geomorphologischen Objekten und den Findlingen die größere Bedeutung zu. Von den zahlreichen Lockergesteinsaufschlüssen kann nur eine Auswahl mit besonders hoher naturwissenschaftlicher Bedeutung geschützt werden.

In der Masterarbeit "GIS- gestützte Bewertung von Geotopen zur geotouristischen Nutzung" von Herrn Robert Arens stellt der Autor für das Gebiet des Geoparks eine Auflistung der Geotope nach Geotopenarten zusammen. Einige Einzelbewertungsbeispiele stellte Herr Arens im Zuge seiner Abschlussarbeit zusammen.
   

kleiner Findling

 

Blockpackung Ihlowberge

 

Drumlin bei Brodowin
Foto: Dr. H. Domnick

 

Blockpackung Ihlowberge

 

Großer Stein bei Neuendorf
Foto: Dr. N. Schlaak

 

Moor

 

Soll
Foto: Dr. H. Domnick

 

Blockpackung Sperlingsherberge
Foto: Dr. N. Schlaak

 

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